Ein Website-Relaunch ist eines der riskantesten Projekte im digitalen Marketing. Richtig gemacht, verbessert er alles: Design, Performance, Sichtbarkeit, Conversion. Falsch gemacht, verlieren Sie Rankings, Traffic und Kunden — und merken es erst Wochen später, wenn die Zahlen einbrechen.
Wir haben in den letzten zwei Jahren dutzende Unternehmen begleitet, die nach einem misslungenen Relaunch zu uns kamen. Die Fehler wiederholen sich. Deshalb diese Checkliste: 15 Punkte, geordnet nach den drei Phasen eines Relaunches.
Phase 1: Vor dem Relaunch.
1. URL-Mapping erstellen.
Dokumentieren Sie jede existierende URL und ordnen Sie ihr die neue Ziel-URL zu. Jede. Nicht nur die Hauptseiten, sondern auch Blog-Posts, PDF-Downloads, Bildpfade, Parameter-URLs. Vergessene URLs = 404-Fehler = verlorene Rankings.
2. Aktuelle Rankings sichern.
Vor dem Relaunch: Screenshot der aktuellen Google-Rankings für alle wichtigen Keywords. Organischer Traffic der letzten 12 Monate. Top-Landing-Pages mit Traffic-Daten. Diese Baseline brauchen Sie, um nach dem Relaunch messen zu können, ob etwas verloren ging.
3. Backlink-Profil analysieren.
Welche externen Websites verlinken auf Sie — und auf welche URLs? Diese Links sind Ihr wertvollstes SEO-Kapital. Jeder Link, der nach dem Relaunch auf eine 404-Seite zeigt, verliert seine Wirkung. Das URL-Mapping aus Punkt 1 muss alle verlinkten URLs enthalten.
4. Content-Audit durchführen.
Nicht jeder Content verdient es, migriert zu werden. Identifizieren Sie: Seiten mit Traffic und Rankings (migrieren + verbessern). Seiten ohne Traffic, aber mit Backlinks (migrieren als Redirect-Ziel). Seiten ohne Traffic und ohne Backlinks (prüfen, ob entfernbar). Duplizierter oder dünner Content (konsolidieren).
5. Schema-Markup planen.
Der Relaunch ist der ideale Zeitpunkt, um strukturierte Daten von Grund auf richtig aufzusetzen. LocalBusiness, BreadcrumbList, FAQ, Article, HowTo — alles, was Google und KI-Crawler brauchen. Besser jetzt richtig als nachträglich flicken.
Ein Relaunch ohne URL-Mapping ist wie ein Umzug ohne Nachsendeauftrag.
Phase 2: Während der Entwicklung.
6. 301-Redirects einrichten.
Für jede alte URL, die sich ändert, muss ein 301-Redirect existieren. Permanent, serverseitig, korrekt konfiguriert. Keine Meta-Refresh-Redirects, keine JavaScript-Redirects, keine 302er. Nur 301. Und testen Sie jeden einzelnen, bevor Sie live gehen.
7. Core Web Vitals testen.
Die neue Seite muss besser performen als die alte — nicht schlechter. LCP unter 2,5 Sekunden. CLS unter 0,1. INP unter 200ms. Handcodierte Websites schaffen das fast immer. WordPress-Relaunches mit Page-Buildern oft nicht. Testen Sie vor dem Launch, nicht danach.
8. Mobile First testen.
Über 60% des Traffics kommt mobil. Testen Sie jede Seite auf mindestens drei Bildschirmgrößen: 375px (iPhone SE), 390px (Standard-Smartphone), 768px (Tablet). Kein Overflow, keine abgeschnittenen Texte, kein unbedienbares Menü.
9. On-Page-SEO prüfen.
Title Tags, Meta Descriptions, H1-Hierarchie, Alt-Texte für Bilder, interne Verlinkung — alles muss auf der neuen Seite stimmen. Häufiger Fehler: Die Entwicklung fokussiert auf Design und vergisst die SEO-Grundlagen. Erst Title Tags einsetzen, dann live gehen.
10. Analytics und Tracking migrieren.
Google Analytics (oder Alternative), Google Search Console, Plausible, Conversion-Tracking, Event-Tracking — alles muss auf der neuen Seite funktionieren. Testen Sie jeden Tracking-Code in der Staging-Umgebung. Eine Woche ohne Daten ist eine Woche ohne Steuerung.
Phase 3: Nach dem Go-Live.
11. Redirects verifizieren.
Innerhalb der ersten Stunde nach Go-Live: Jeden 301-Redirect testen. Crawlen Sie die alte Sitemap und prüfen Sie, ob jede URL korrekt weiterleitet. Tools: Screaming Frog, Ahrefs Site Audit, oder manuell per cURL. Jeder 404-Fehler, der jetzt auftritt, kostet Rankings.
12. Google Search Console aktualisieren.
Neue Sitemap einreichen. Property verifizieren (falls URL-Struktur oder Domain sich geändert hat). Coverage-Bericht täglich prüfen für die ersten zwei Wochen. Neue Indexierung beantragen für die wichtigsten Seiten.
13. Externe Links aktualisieren.
Google Business Profil aktualisieren. Social-Media-Profile. Branchenverzeichnisse. Partner-Websites. Überall dort, wo Ihre alte URL verlinkt ist, sollte die neue stehen — auch wenn Redirects existieren. Direkte Links sind stärker als umgeleitete.
14. Performance monitoren.
Zwei Wochen nach Go-Live: Rankings vergleichen (Baseline von Punkt 2). Organischen Traffic vergleichen. Crawl-Fehler in der Search Console analysieren. Conversion-Rates prüfen. Jede Abweichung sofort untersuchen und beheben.
15. KI-Sichtbarkeit prüfen.
Der Punkt, den fast niemand bedenkt: Wie erscheint Ihre Website jetzt in KI-Antworten? Hat der Relaunch die KI-Sichtbarkeit verbessert oder verschlechtert? Ist die robots.txt korrekt für GPTBot, ClaudeBot, PerplexityBot konfiguriert? Funktionieren die Schema.org-Daten? Testen Sie es — fragen Sie ChatGPT und Perplexity nach Ihrem Unternehmen.
Die besten Relaunches verbessern Google-Rankings und KI-Sichtbarkeit gleichzeitig.
Der häufigste Fehler: Hektik.
Der teuerste Fehler bei einem Relaunch ist nicht ein vergessener Redirect oder ein falscher Title Tag. Es ist Zeitdruck. Unternehmen setzen einen fixen Launch-Termin — und dann wird alles, was noch nicht fertig ist, ignoriert, verschoben oder halbherzig erledigt.
Die Konsequenz: Eine halbfertige neue Website, die schlechter performt als die alte. Rankings, die über Monate aufgebaut wurden, gehen innerhalb einer Woche verloren. Und die Behebung kostet mehr als ein ordentlich geplanter Relaunch von Anfang an.
Unser Rat: Lieber zwei Wochen später launchen als zwei Monate hinterher reparieren. Ein Relaunch ist eine Investition. Und Investitionen funktionieren nur, wenn die Vorbereitung stimmt.