Ihre Website ist vier oder fünf Jahre alt. Sie öffnen sie auf dem Handy, und irgendetwas stimmt nicht: Die Schrift wirkt altbacken, auf dem Foto oben steht ein Team, das so nicht mehr existiert, die Preisliste stammt aus einer anderen Zeit. Was Sie in diesem Moment nicht wissen: ob das Aussehen das Problem ist oder etwas darunter.

Der Wunsch nach einem Relaunch beginnt fast immer mit einem Gefühl.

Die Frage ist keine Geschmacksfrage, sondern eine Kostenfrage. Ein Neubau bindet Geld und mehrere Wochen Ihrer Aufmerksamkeit. Eine gezielte Reparatur kostet einen Bruchteil davon. Wer die falsche Variante wählt, zahlt entweder zu viel oder baut auf einem Fundament weiter, das nicht mehr trägt.

Es gibt Befunde, die klar für das eine sprechen, und Befunde, die klar für das andere sprechen. Die folgenden Abschnitte benennen sie — und die Zahlen, die Sie brauchen, bevor Sie überhaupt anfangen zu vergleichen.

Vor der Entscheidung brauchen Sie drei Zahlen aus dem eigenen Betrieb.

Die erste Zahl: Wie viele Anfragen kommen im Monat über die Website herein — über das Formular, als Anruf nach einem Website-Besuch, als E-Mail an die dort genannte Adresse. Wenn Sie diese Zahl nicht kennen, fragen Sie ab sofort bei jeder Anfrage nach, wie der Kontakt zustande kam. Wie lange Sie dafür mitzählen müssen, hängt daran, wie viele Anfragen bei Ihnen eingehen — je weniger es sind, desto länger dauert es, bis die Zahl belastbar ist.

Die zweite Zahl: Woher kommen die Besucher. Über die Google-Suche, über Ihren Eintrag bei Google Maps, über direkte Eingabe der Adresse nach einer Empfehlung, über soziale Netzwerke. Die dritte: Welche Seite wird am häufigsten aufgerufen, und an welcher Stelle brechen Besucher ab. Beides zeigt jedes gängige Statistikwerkzeug, sofern eines eingerichtet ist.

Ohne diese drei Zahlen ist jede Relaunch-Entscheidung Geschmackssache. Mit ihnen lässt sich sagen, ob Ihre Website ein Sichtbarkeitsproblem hat, ein Überzeugungsproblem oder gar keines — und das sind drei völlig verschiedene Baustellen.

Ein Relaunch, der das eigentliche Problem nicht berührt, ist eine teure Wiederholung.

Fünf Befunde sprechen deutlich für einen Neubau.

Erstens: Das System bekommt keine Sicherheitsupdates mehr. Das betrifft alte Versionen von Redaktionssystemen ebenso wie handgebaute Seiten, deren Entwickler nicht mehr erreichbar ist. Zweitens: Sie kommen an nichts heran. Kein Zugang zum Server, kein Zugang zum Bearbeitungsbereich, die Domain läuft auf den Namen eines früheren Dienstleisters. Das ist kein Gestaltungsproblem, sondern ein Besitzproblem.

Drittens: Die Struktur bildet Ihr Geschäft nicht ab. Ein Betrieb mit sechs Leistungen, der alle sechs auf einer einzigen Seite „Leistungen“ untereinander aufzählt, hat für keine davon eine eigene Seite, die bei Google gefunden oder in einer KI-Antwort als Quelle genannt werden kann. Das lässt sich in einer bestehenden Struktur selten sauber nachrüsten.

Viertens: Die mobile Ansicht wurde nachträglich angeflanscht und verhält sich anders als die Ansicht am Rechner — andere Inhalte, fehlende Menüpunkte, ein Formular, das sich auf dem Handy nicht absenden lässt. Fünftens: Ihr Betrieb hat sich verändert. Neuer Standort, verändertes Angebot, andere Kundschaft. Dann ist nicht die Website veraltet, sondern ihre Grundannahme.

Vier Befunde sprechen gegen einen Neubau.

Der erste Befund: Es gefällt Ihnen nicht mehr, aber es funktioniert. Die Anfragen kommen, die Struktur stimmt, die Seite ist auffindbar. Dann brauchen Sie eine gestalterische Überarbeitung auf bestehender Basis — andere Typografie, andere Farben, neue Bilder — und keinen Neubau.

Der zweite: Die Seite lädt langsam. Das ist in den meisten Fällen kein Fundamentproblem. Unkomprimierte Fotos in Originalgröße, ein Dutzend Erweiterungen, die nie gebraucht wurden, und eingebundene Skripte von Drittanbietern erklären den Großteil. Messen, entfernen, erneut messen — das ist Reparatur.

Der dritte: Die Texte überzeugen nicht. Das ist Textarbeit, kein Bauprojekt. Der vierte: Eine Funktion fehlt — Terminbuchung, Rückrufwunsch, Online-Zahlung. Solche Bausteine lassen sich in fast jede funktionierende Website einfügen. Wenn ein Anbieter für eine Terminbuchung einen kompletten Relaunch vorschlägt, fragen Sie nach dem technischen Grund und lassen Sie ihn sich erklären.

Reparatur ist kein Kompromiss, wenn sie an der richtigen Stelle ansetzt.

Reparatur hat einen schlechten Ruf, weil sie oft planlos passiert: hier ein neues Foto, dort eine Erweiterung, dann noch ein Hinweisbanner. Danach ist die Seite langsamer als vorher, und niemand weiß, woran es lag.

Die Reihenfolge, die funktioniert, ist einfach. Erst messen — Ladezeit, Reaktionszeit auf Klicks, Layoutsprünge beim Laden, jeweils in der mobilen Ansicht. Dann eine einzelne Sache ändern. Dann wieder messen. So wissen Sie am Ende, welcher Eingriff etwas gebracht hat, statt drei Änderungen gleichzeitig vorzunehmen und hinterher zu raten.

Mit dieser Reihenfolge lassen sich in wenigen Tagen Ergebnisse erzielen, für die sonst ein Projekt über Wochen angesetzt wird. Sie ersetzt keinen Neubau, wenn das Fundament wirklich nicht trägt. Aber sie beantwortet die Frage, ob es trägt — und genau diese Information fehlt vor der Relaunch-Entscheidung meistens.

Ein Relaunch kostet Sichtbarkeit, wenn die alten Adressen nicht mitgenommen werden.

Bei einem Neubau ändern sich in der Regel die Adressen der Unterseiten. Aus einer Seite, die jahrelang unter einer bestimmten Adresse erreichbar war und dort auch bei Google gelistet wurde, wird eine neue Adresse. Ohne Weiterleitung landen Besucher und Suchmaschine auf einer Fehlermeldung.

Technisch ist die Lösung Standard: Für jede alte Adresse wird eine dauerhafte Weiterleitung auf die passende neue eingerichtet. Dazu gehört eine Liste aller bisherigen Seiten, und die entsteht vor dem Umzug. Hinterher lässt sie sich nur noch mühsam rekonstruieren. Fragen Sie im Angebot ausdrücklich danach, ob diese Liste und die Weiterleitungen enthalten sind.

Rechnen Sie außerdem mit einer Delle. Nach einem Umzug braucht Google einige Wochen, bis die neuen Seiten eingeordnet sind. Das ist normal und kein Zeichen dafür, dass etwas schiefgegangen ist. Kritisch wird es, wenn die Positionen nach zwei, drei Monaten nicht zurückkommen. Dann fehlen meist Weiterleitungen, oder es sind Inhalte ersatzlos verschwunden.

Die Entscheidung hängt an einer einzigen, ehrlichen Frage.

Die Frage lautet: Was soll die Website tun, was sie heute nicht tut. Nicht: Wie soll sie aussehen. Schreiben Sie die Antwort auf, in Sätzen mit einem Verb, und geben Sie sich zehn Minuten dafür.

Wenn dabei Sätze herauskommen wie „Sie soll für jede meiner Leistungen einzeln gefunden werden“, „Sie soll Termine direkt in meinen Kalender schreiben“, „Sie soll auf dem Handy in unter zwei Sekunden nutzbar sein“ — dann reden Sie über Struktur, Technik und Abläufe. Das ist ein Neubau, und dafür gibt es dann auch gute Gründe.

Wenn dort am Ende nur „Sie soll moderner wirken“ steht, reden Sie über Gestaltung. Dafür gibt es den kleineren Weg, und der ist keine schlechtere Entscheidung. Falsch ist nur, das eine zu bezahlen und das andere zu erwarten.

Häufige Fragen

Wie lange hält eine Website?

Es gibt keine Haltbarkeitsangabe. Drei Dinge altern unterschiedlich schnell: die Technik im Hintergrund, die Inhalte und die Gestaltung. Technik und Inhalte brauchen laufende Pflege, die Gestaltung hält bei einer zurückhaltenden Umsetzung deutlich länger als bei einer, die einem Trend folgt. In der Praxis stellen viele Betriebe nach vier bis sechs Jahren fest, dass nicht die Optik, sondern die Struktur nicht mehr zum Geschäft passt.

Kann ich meine bestehenden Texte in den Neubau übernehmen?

Meistens ja, aber selten unverändert. Bei einem Neubau ändert sich in der Regel die Aufteilung der Inhalte auf die Seiten, und ein Text, der für eine Sammelseite geschrieben wurde, funktioniert auf einer eigenen Leistungsseite anders. Rechnen Sie damit, bestehende Texte als Rohmaterial zu nutzen und neu zu ordnen. Technisch ist der Export von Text aus fast jedem System möglich.

Verliere ich beim Relaunch meine Google-Platzierungen?

Nicht zwangsläufig. Entscheidend ist, dass jede alte Seitenadresse dauerhaft auf die passende neue Seite weitergeleitet wird und dass Inhalte nicht ersatzlos wegfallen. Eine vorübergehende Schwankung über einige Wochen ist normal. Dauerhafte Verluste entstehen fast immer dort, wo Seiten gestrichen wurden, ohne dass jemand vorher geprüft hat, wofür sie gefunden wurden.

Was kostet eine Reparatur im Vergleich zum Neubau?

Das lässt sich nicht pauschal beziffern, weil beides vom Umfang und vom Ausgangszustand abhängt. Als Größenordnung: Eine gezielte Reparatur ist Tagewerk, ein Neubau ist Wochenwerk. Sinnvoll ist, mit einer Bestandsaufnahme zu beginnen — Messung der Ladezeit, Prüfung der Struktur, Prüfung der Zugänge. Danach lässt sich der Aufwand für beide Wege beziffern, und die Entscheidung ruht auf Befunden statt auf Vermutungen.