Angenommen, Sie holen drei Angebote für Ihre neue Website ein — eines über 1.400 Euro, eines über 7.000, eines über 18.000. Die Leistungslisten lesen sich in weiten Teilen gleich: Design, Umsetzung, Suchmaschinenoptimierung, Einweisung. Eine Grundlage, auf der Sie das eine gegen das andere abwägen könnten, liefern sie nicht.
Drei Angebote für dieselbe Website liegen oft um den Faktor zehn auseinander.
Das liegt nicht daran, dass jemand unehrlich rechnet. „Website“ ist keine feste Menge Arbeit, sondern ein Sammelbegriff. Ähnlich wie „Umbau“: Ob damit ein neuer Anstrich gemeint ist oder eine neue Elektrik, steht nicht im Wort. Der Preis sagt deshalb wenig, solange nicht klar ist, welche Arbeit er abdeckt.
Dieser Text zerlegt den Preis in seine Bestandteile und benennt die Posten, die in vielen Angeboten fehlen. Am Ende steht keine Zahl, die für alle stimmt, sondern eine Liste von Fragen, mit der Sie zwei Angebote nebeneinanderlegen können.
Der Preis besteht aus vier Blöcken, die selten getrennt ausgewiesen werden.
Der erste Block ist die Struktur. Welche Seiten gibt es, in welcher Reihenfolge, und über welchen Weg landet ein Interessent bei der Anfrage. Das ist Denkarbeit vor der ersten Zeile Code — und der Block, der am häufigsten übersprungen wird, weil er im fertigen Ergebnis unsichtbar bleibt.
Der zweite Block ist der Inhalt: Texte, Fotos, Preisangaben, Leistungsbeschreibungen. Der dritte ist die Umsetzung — Gestaltung, Programmierung, Einrichtung auf dem Server, Test auf verschiedenen Geräten. Der vierte ist der Anschluss an Ihre Abläufe: Was passiert mit einer Anfrage, nachdem sie abgeschickt wurde. Landet sie in einem Postfach, in einem Kalender, in Ihrer Rechnungssoftware.
Wenn ein Angebot nur eine Summe nennt, wissen Sie nicht, welcher dieser Blöcke enthalten ist. Bitten Sie um eine Aufteilung nach diesen vier Punkten. Ein Anbieter, der sauber kalkuliert hat, kann sie liefern, ohne lange zu rechnen.
Ein Angebot ohne Zeilen für Pflege, Hosting und Änderungen ist kein günstiges Angebot, sondern ein unvollständiges.
Günstige Angebote verschieben einen Teil der Arbeit auf Ihren Schreibtisch.
In vielen preiswerten Angeboten steht ein Satz wie „Texte und Bildmaterial werden vom Kunden gestellt“. Das klingt nach einer Formalie. In der Praxis heißt es, dass Sie für zehn Seiten zehn Texte schreiben, Fotos aussuchen, Leistungen voneinander abgrenzen und Preise festlegen — Arbeit, für die Sie mehrere Abende brauchen und die niemand für Sie erledigt.
Rechnen Sie diesen Aufwand mit. Angenommen, Sie investieren zwanzig Stunden, und Sie setzen Ihre eigene Stunde mit dem an, was Ihre Arbeit im Betrieb wert ist: Dann verschiebt sich der Vergleich zwischen zwei Angeboten spürbar. Das ist keine Rechtfertigung für hohe Preise, sondern eine Frage der Vollständigkeit.
Das Gleiche gilt für die spätere Pflege. „Sie können alles selbst ändern“ ist ein Versprechen, das nur einlöst, wer sich in das System einarbeitet. Manche Inhaber machen das gern und regelmäßig. Viele öffnen den Bearbeitungsbereich ein halbes Jahr lang kein einziges Mal. Beides ist in Ordnung — es sollte nur vorher feststehen.
Nach dem Livegang laufen Kosten weiter, ob sie eingeplant wurden oder nicht.
Eine Website ist kein Gegenstand, den man einmal kauft. Sie läuft auf einem Server, der gemietet wird. Sie hat eine Domain, die jährlich verlängert wird. Wenn ein Redaktionssystem wie WordPress dahintersteht, kommen Sicherheitsupdates, Erweiterungen mit Jahreslizenz und Sicherungskopien dazu.
Am deutschen Markt liegen diese Posten zusammen meist im zweistelligen bis niedrigen dreistelligen Eurobereich pro Monat — abhängig davon, wie viel Betreuung enthalten ist und ob jemand die Updates für Sie einspielt oder Sie das selbst übernehmen. Lassen Sie sich diese Zahl schriftlich geben, bevor Sie unterschreiben, nicht danach.
Der teuerste laufende Posten steht in keiner Rechnung: Eine Website, die niemand pflegt, verliert über zwei, drei Jahre an Boden. Nicht schlagartig, sondern langsam. Irgendwann steht wieder ein Neubau an, und der kostet mehr, als die Pflege gekostet hätte.
Sechs Fragen machen zwei ungleiche Angebote vergleichbar.
Wem gehört die Domain nach Projektende, und auf welchen Namen ist sie registriert? Wer hat Zugang zum Server und zum Redaktionssystem, und bekomme ich diese Zugänge ausgehändigt? Kann ich die Website mitnehmen, wenn ich den Anbieter wechsle, oder läuft sie ausschließlich auf dessen eigenem System?
Wer schreibt die Texte, und wie viele Korrekturschleifen sind enthalten? Was kostet eine Änderung nach dem Livegang — eine neue Unterseite, ein ausgetauschtes Foto, ein geänderter Preis? Und was genau steckt in der monatlichen Pauschale, wenn es eine gibt?
Die dritte Frage ist die wichtigste. Es gibt Anbieter, deren Websites nur auf deren eigener Plattform laufen. Solange die Zusammenarbeit gut ist, spielt das keine Rolle. Wenn Sie wechseln wollen, fangen Sie bei null an. Das ist keine Unterstellung gegen irgendjemanden, sondern ein Punkt, den man vorher klärt statt hinterher.
Die technischen Anforderungen sind gestiegen, und das schlägt sich im Preis nieder.
Google bewertet seit Jahren, wie schnell eine Seite nutzbar ist. Die drei Messwerte heißen Largest Contentful Paint, Interaction to Next Paint und Cumulative Layout Shift — vereinfacht: Wie lange dauert es, bis der Hauptinhalt sichtbar ist, wie träge reagiert die Seite auf einen Klick, und wie stark springt das Layout beim Laden. Als Zielwerte nennt Google 2,5 Sekunden, 200 Millisekunden und 0,1. Bewertet wird vorrangig die mobile Ansicht.
Dazu kommt die Frage, ob Ihre Inhalte in KI-Antworten auftauchen. Google zeigt bei vielen Suchen zusammengefasste Antworten oben an, und Assistenten wie ChatGPT beantworten Fragen, ohne dass jemand eine Website öffnet. Wer dort als Quelle vorkommen will, braucht eindeutige Angaben — Öffnungszeiten, Adresse, Leistungen, Preise — als lesbarer Text und zusätzlich als maschinenlesbare Auszeichnung im Quelltext. Diese Arbeit ist in einem Angebot entweder enthalten oder nicht.
Und es gibt den rechtlichen Rahmen. Das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz gilt seit dem 28. Juni 2025 auch für Teile der Privatwirtschaft. Für Kleinstunternehmen — weniger als zehn Beschäftigte und höchstens zwei Millionen Euro Jahresumsatz oder Jahresbilanzsumme — sieht das Gesetz bei Dienstleistungen eine Ausnahme vor. Ob sie in Ihrem Fall greift, gehört fachlich geprüft und lässt sich nicht in einem Ratgebertext entscheiden.
Der brauchbare Vergleichsmaßstab sind die Kosten über drei Jahre.
Angenommen, Sie vergleichen zwei Angebote. Das eine kostet 1.500 Euro einmalig, Texte stellen Sie selbst, die Pflege ebenfalls. Das andere kostet 8.000 Euro plus 100 Euro im Monat, Texte und Betreuung enthalten. Nach drei Jahren stehen 1.500 Euro plus Ihre Zeit gegen 11.600 Euro. Das ist ein echter Unterschied, und für viele Betriebe fällt die Entscheidung an dieser Stelle zugunsten der ersten Variante.
Sie kippt, wenn zwei Dinge dazukommen: Die günstige Variante braucht nach zwei Jahren einen Neubau, weil sie niemand gepflegt hat. Und sie bringt weniger Anfragen, weil die Struktur nie durchdacht wurde. Beides sind Annahmen, keine Gesetzmäßigkeiten — aber es sind die zwei Punkte, an denen sich die Rechnung tatsächlich entscheidet.
Deshalb lohnt es, die Frage umzudrehen. Nicht: Was darf die Website kosten. Sondern: Wie viele zusätzliche Anfragen im Monat müsste sie bringen, damit sich der Betrag trägt. Diese Zahl kennen Sie besser als jeder Anbieter, weil Sie wissen, was ein Auftrag bei Ihnen wert ist. Damit haben Sie eine Grundlage, auf der ein Gespräch über Preise sachlich wird.
Häufige Fragen
Reicht für einen kleinen Betrieb nicht ein Baukasten für 20 Euro im Monat?
Für einen Betrieb mit einer Leistung, einem Standort und wenig Wettbewerb kann das ausreichen. Sie zahlen wenig und sind schnell online. Die Grenzen zeigen sich, wenn Sie mehrere Leistungen getrennt sichtbar machen wollen, wenn Termine direkt buchbar sein sollen oder wenn Sie später auf ein anderes System umziehen möchten. Klären Sie vor der Entscheidung, ob und wie sich Ihre Inhalte exportieren lassen.
Warum kostet ein zweites Angebot das Fünffache, obwohl beide „responsive Design und SEO“ versprechen?
Weil beide Begriffe keine Menge beschreiben. „Responsive“ heißt nur, dass sich das Layout an die Bildschirmbreite anpasst — das leistet heute praktisch jede Vorlage. „SEO“ kann bedeuten, dass jemand Seitentitel eingetragen hat, oder dass jemand recherchiert hat, wonach Ihre Kunden tatsächlich suchen, und dafür eigene Seiten angelegt und geschrieben hat. Fragen Sie nach den konkreten Arbeitsschritten hinter dem Begriff, nicht nach dem Begriff selbst.
Muss ich einen Wartungsvertrag abschließen?
Müssen nicht. Wenn Ihre Website auf einem Redaktionssystem läuft, brauchen Sicherheitsupdates aber jemanden, der sie einspielt. Entweder Sie tun das selbst und setzen sich dafür einen festen Termin im Monat, oder Sie geben es ab. Was nicht funktioniert, ist die dritte Variante: niemand tut es. Bei rein statischen Seiten ohne Redaktionssystem ist der laufende Aufwand deutlich geringer.
Woran merke ich, dass ich für meine bestehende Website zu viel zahle?
Prüfen Sie, was in der Monatspauschale tatsächlich passiert ist. Bitten Sie um eine Aufstellung der Leistungen der letzten zwölf Monate: eingespielte Updates, geänderte Inhalte, neu erstellte Seiten, behobene Fehler. Wenn dabei fast nichts herauskommt und die Website unverändert ist, zahlen Sie für Bereitschaft und nicht für Arbeit. Das kann in Ordnung sein, sollte aber eine bewusste Entscheidung sein.